Die Feministin, Germanistin und Schriftstellerin Ruth Klüger bei uns zu Besuch!

Im Deutschunterricht individuell gewählte Texte zu vergleichen, dafür spricht vieles: SchülerInnen können aus eigenen Quellen schöpfen (Werke aus der Schulbibliothek heranziehen, der Bibliothek zu Hause, Geburtstagsgeschenke, Buchempfehlungen etc.). Wenn jedeR SchülerIn verschiedene Werke miteinander vergleicht, drängen sich Plagiate aus dem Netz nicht auf und für die Lehrerin ist das Lesen der Arbeiten meist abwechslungsreich. Auch persönliche Kontakte der SchülerInnen, Gespräche mit AutorInnen können zu einer differenzierten und lebendigen Auseinandersetzung mit Literatur beitragen.

Diesen Weg wählte Arijane Sommeregger, die in ihrer schriftlichen Arbeit „weiter leben. Eine Jugend“ (1992) von Ruth Klüger mit der gleichnamigen Bühnenfassung (Regie Nika Sommeregger, Uraufführung 2001) verglich. Darüber hinaus machte sie in einer mündlichen Präsentation ihren Zugang zur Germanistin, Schriftstellerin und Feministin („Ein echter Humanismus ist ein Feminismus“) Ruth Klüger und deren Werk für ihre MitschülerInnen fruchtbar. Und einhellig war der Wunsch der SchülerInnen, Arijane möge das Unmögliche versuchen: ihre Freundin Ruth Klüger zu uns in die Rahlgasse, in den Deutschunterricht der 7A, einzuladen. Klügers Antwort auf Arijanes Anfrage war kurz und eindeutig: „Ja, ich mach das.“
Als Vorbereitung auf den Besuch lasen die SchülerInnen „weiter leben“ und setzten sich mit Auszügen aus „Frauen lesen anders“, „Was Frauen schreiben“ und „Von hoher und niedriger Literatur“ etc. auseinander.

Ruth KlügerAm 31. Mai 2012 war es soweit: Ruth Klüger las und sprach mit den SchülerInnen in der Schulbibliothek. „Der kleine Rahmen verschaffte der Veranstaltung eine besondere Atmosphäre und brachte Raum und Zeit, Fragen zu stellen“, hielt die Schülerin E.N. nach der Begegnung schriftlich fest. „Ruth Klüger las Stellen aus ihrem Buch „weiter leben“ und dazwischen ließ sie immer wieder Platz für Fragen und zusätzliche Erzählungen. Das war nicht nur aufschlussreich, sondern berührte ehrlich“, merkte J.T. an. Und A.S. führte weiter aus: „Ich bin zwar nicht immer ihrer Meinung, aber sie bringt eineN zweifelsohne zum Nachdenken. […] Als Ruth Klüger sagte, es hätte in Österreich beschämend wenig Widerstand gegeben, hat niemand widersprochen. Dass sich Ruth Klüger darüber gewundert hat, hat mich erstaunt.“ „Zwei Zitate sind in meinem Kopf hängen geblieben, eines davon: „Die Zukunft liegt in den Händen der feministischen Söhne“, führte J.S. aus, und E.K. stellte dazu fest: „Das habe ich gelernt!“ „Für mich ist bemerkenswert, dass Ruth Klüger erst nach dem Tod ihrer Mutter „weiter leben“ ins Englische übertragen konnte und ich möchte das neue Kapitel über ihre späte, andere Beziehung zu ihrer Mutter lesen“, meinteT.L.
Aus dem Gespräch mit Ruth Klüger nahmen SchülerInnen verschiedenen Fäden auf und sind dabei eigene Texte zu weben. Diese werde ich Ruth Klüger als Dankeschön übermitteln.

In der Rückschau auf Lektüre und Lesung formulierte N.R.: „Ich stellte mir einen lautstark kritischen Menschen vor, als ich durch ihre Zeilen ging. Jedoch fehlte mir dieser und auch mir dann die Stimme, um mich zu den kontroversen Themen wie Feminismus, Nationalsozialismus, „Kitsch und Kunst“ zu äußern.“ Selbst die Stimme zu erheben, mit Ruth Klüger über Lesen und Literatur zu sprechen, wird es eine weitere Gelegenheit geben – vor Ende des Gesprächs in unserer Bibliothek teilte uns Ruth Klüger mit: „Ich komme wieder.“
Mehr als ich zu hoffen wagte, ein lebendiges Literaturprojekt.

Für das Gymnasium Rahlgasse ist im Herbst eine Wiederaufführung geplant:
„weiter leben – eine Jugend” unter der Regie von Nika Sommeregger
nach dem Buch von Ruth Klüger, gespielt von Maria Hofstätter und Martina Spitzer

Theresia Ladstätter, im Juni 2012






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